Wie Cannabis mein Leben veränderte

Heute möchte ich dir meine Geschichte erzählen wie Cannabis mein Leben verändert hat. Um eine Veränderung jedoch Begreifen zu können, muss ich aber erst einmal Erzählen, wie mein Leben zuvor verlaufen ist. Oder genauer gesagt, was alles falsch gelaufen ist.

Natürlich wirst du dich Fragen, was nun auf dich zukommt. Also hier einen kleiner Spoiler. Ich werde über meine psychische Erkrankung, die Depression sprechen und wie diese mein Leben in gewisse Weise zerstört, und gleichzeitig gerettet hat.

Wie ist es Depressiv zu sein?

Zuerst einmal muss man verstehen, dass es nicht "Die Depression" gibt. Grob unterteilt man zwischen der unipolaren (man hat Schübe wo es einem schlecht geht), bipolar (Wechsel von extrem schlecht zu extrem gute Phasen) und der chronischen Depression (Auch Dysthymie genannt).

Letzteres, ist "Meine Depression". Aber wie genau äußert sich eine chronische Depression?

Nun, der Vorteil einer Dysthymie ist, das sie zuerst einmal nicht so ausgeprägt und stark ist wie bei den anderen Depressionen. Man hat keine Phasen in der man komplett Selbstzerstörerisch handelt. Sich selber verletzt, oder Suizid Gedanken hat.

Der Nachteil ist aber, dass sie zuerst einmal nicht so ausgeprägt und stark ist wie bei den anderen Depressionen. Anstatt kurze Phasen zu haben, hat man stattdessen sehr schöne lange Phasen. Oder besser gesagt, eine einzige Phase. Bei mir ca. 15 Jahre (oder länger) in denen man wunderbar Lernt, sich langsam und schleichend zu zerstören, ohne das man es selber merkt. Bis zu den Suizid Gedanken dauert es dann etwas länger, aber wenn sie dann endlich da sind, schocken diese einen auch gar nicht mehr. Ich denke, sowas könnte man bestimmt als Win-Win Situation verkaufen.

Aber zurück zum Thema. Dadurch das dieser Prozess so schleichend vorangeht, merkt man selber einfach gar nicht das man überhaupt krank ist. Man hat einfach keine großen Gefühlsschwankungen mehr. Glück oder Freude sind über die Jahre hinweg für mich bedeutungslose Wörter geworden.

Letztendlich lebt man im Sumpf der Negativität & Neutralität. Negativ da man unglücklich ist, keine Freude mehr spürt, man kann den Sinn des eigenen Lebens nicht mehr sehen, und man wünscht sich nur noch, morgen nicht mehr aufzuwachen, und einfach tot zu sein.

Natürlich fragt man sich wie sowas Neutral sein kann, sowas muss doch negativ sein, oder?

Antwort: Naja, das Problem ist das ich ausschließlich solche Gedanken gehabt habe. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr, und das ca. 15 Jahre lang. Wenn man nichts anderes kennt auser genau diesen Gedanken, dann wird das empfundene ewige Leid des Lebens zur Normalität. Das was man als "Neutral" wahr nimmt, verschiebt sich also ins Negative.

Wenn der Kopf mit einem also so leichte Spielchen treibt, dann kann man sich wohl vorstellen das dies auch kleinere Auswirkungen auf sein Leben hat. Und oh man, da habe ich tolle Geschichten zu Erzählen!

Und ich denke so 08/15 kram wie schlechten und wenig Schlaf durch Grübeln, Antriebslosigkeit, Soziale Isolation oder bei mir Heißhunger, wodurch ich stetig zugenommen habe, der Verlust von immer mehr Hobbys, da sie einem nicht mehr Spaß machen. Naja, das ist ja pille palle. Dieser 08/15 kram kann man überall nachlesen. Was ich erzählen möchte sind richtige Erlebnisse und die dazugehörigen Gedankengänge die man als Depressiver durchlebt.

Der Abstieg

Da der Prozess bei mir so schleichend gewesen ist, kann ich keinen exakten Zeitpunkt nennen wann es angefangen hat. Ich weiß jedoch was Auslöser waren, und das diese bereits in meiner Kindheit begonnen haben. So hatte ich in meiner Kindheit schon Gedankengänge vom Tod & Sterben.

Hiermit meine ich aber nicht die normalen Gedankengänge die jeder als Kind durchlebt. Wie das die Eltern sterben, und man als Kind Alpträume und Angst hat, seine Eltern zu verlieren.

Nein, meine Gedankengänge drehten sich primär darum dass ICH Sterbe. Und hiermit meine ich nicht einfach nur schnell. Sondern langsam. Meist dachte ich das ich eine schlimme Krankheit hätte. Zum Beispiel Krebs. Manchmal würde er mich über Jahre hinweg langsam töten, ein ander mal hätte ich Sachen wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, dass mich in 1 Woche tötet.

Wieder andere male hätte ich schwerste Unfälle, jedoch nicht so schwer das ich sofort tot bin, aber so schwer das ich etliche Operationen, Amputationen oder sonstiges über mich ergehen lassen müsste um mich zu retten. Meine Familie diesen Schrecken mitbekommt, ich jedoch dabei zusehen kann wie jemand um mich trauert. Und ich dann zufrieden Sterben kann. Ein Schrei, nach Aufmerksamkeit.

Solche Gedankengänge sind aber nicht "mal" vorgekommen, sondern solche Gedankengänge waren bei mir dominant. Sich mit solchen Gedanken Abends ins Bett zu weinen, war Normalität für mich.

Der Superheld

Irgendwann habe ich dann angefangen immer komplexere Geschichten zu kreieren. Zuerst war ich einfach jemand der anderen Menschen das Leben rettet, natürlich immer auf Kosten meines eigenen Leben.

Mal springt man vor einem Auto um ein Kind das Leben zu retten. Mal rettete ich mit meinem Handeln ganze Gruppen. Irgendwann bin ich dann ein Superheld gewesen, der meist durch Aufopferung und der letzten eigenen Kraft die ganze Menschheit rettet.

Die Geschichten wurden dabei immer länger. Oder anders gesagt: Vor meinen endgültigen Tod, wie jede Geschichte letztendlich ausging. Musste ich meist so viel Schmerz, Erniedrigung und jegliche Art der Schande über mich ergehen lassen. Die Geschichten wurden so komplex, das andere sogar erst nach meinem Tod begriffen haben, das ich durch meinen Tod, etwas gutes bewirkt habe. Letztendlich war der Tod am ende jeder Geschichte nur eins für mich. Die Erlösung vom Schmerz.

Diese Geschichten hat natürlich einen Zweck. Auf der einen Seite habe ich versucht meinen inneren Schmerz einen Sinn zu geben. Und auf der anderen Seite werden solche Geschichten unpersönlicher wenn man anfängt über sich als Superheld nachzudenken. In Gewisser weiße war dies eine Flucht in die Phantasie-Welt. Ich glaube anders hätte ich es wohl auch nicht ausgehalten.

Lebensmüde Gedanken?

Im ungefähren alter von 20 Jahren, haben dann bei mir die sogenannten Lebensmüden Gedanken angefangen. Der Unterschied zu Suizid Gedanken ist, dass man hier passiv stirbt, anstatt das man sich aktiv selbst tötet.

Wenn ich also Beispielsweise über eine Straße gelaufen bin, dann erschienen in meinen Gedanken Bilder das ich vom Auto angefahren werde. Wenn ich Abends alleine gelaufen bin, hatte ich ständige Angst ich werde verfolgt und getötet. Wenn ich unter einer Brücke gelaufen bin, dann dachte ich etwas fällt von der Brücke, und erschlägt mich. Wenn ich mit der Bahn gefahren bin, dann dachte ich die Bahn entgleist und ein Unglück würde passieren. In absolut allem was mich umgibt, habe ich eine Bedrohung für mein Leben gesehen.

Diese Gedanken haben mein Verhalten jedoch dahin verändert, dass ich allgemein Vorsichtiger wurde. Öfters schauen bevor ich über die Straße laufe. Das ich verfolgt & getötet werde, oder etwas mich erschlägt habe ich durch Logik bekämpft indem ich mir sagte das solche Tode natürlich passieren können, sie jedoch einfach selten und unwahrscheinlich sind. Ich wurde zu Mr. Spock.

Und naja, wenn es doch passiert wäre. In dem Fall wäre es mir egal gewesen, den der Tod war für mich die Erlösung. Genau das habe ich mir in meinen Geschichten ja eingeredet.

Heute sehe ich darin aber auch, dass ich irgendeinen drang hatte weiter zu Leben. Ein innerer Kampf wo ich versuchte mich gegen diese Gedanken zu wehren. Ich hätte sonst ja auch über die Straße laufen können und dabei unvorsichtiger werden können. Aber irgendetwas in meinen inneren wehrte sich dagegen.

Was dies genau war? Ich weiß es nicht. Vielleicht war es der normale Überlebens trieb eines Menschen. Vielleicht etwas anderes. Vielleicht sollte ich diese Frage nochmal versuchen zu ergründen. Aber ehrlich gesagt, mir ist es auch egal geworden, da ich nicht mehr mit meinen Gedanken ständig in der Vergangenheit stecken möchte.

Der drang zu überleben war da, dafür empfinde ich einfach nur Dankbarkeit.

Apathie

Bisher muss ich aber immer noch eine Sache betonen, sollte dies noch immer nicht klar sein. Bei allem was ich bisher geschrieben habe, war mir nicht klar das ich unter einer Depression leide. Nicht nur das ich nicht wusste das ich nicht krank war. Nein, ich dachte ich wäre Kern Gesund, dass es mir gut geht, und das alles was ich bisher erzählt habe das normale Leben ist.

Noch heute kann ich mich jedoch an einen einzigen Moment erinnern als ich ungefähr 25 war, als mir die Depression bewusst wurde. Ich stand in meinem Zimmer und die ersten Suizid Gedanken kamen mir hoch. Ich hatte zwar keinen Konkreten Plan mich umzubringen, jedoch fing ich an über den Suizid nachzudenken.

Das erste mal war ich geschockt. Mein Gedanke: Oh mein Gott, worüber denkst du den jetzt nach? Weg mit diesen Gedanken! Ich will die nicht. Sowas muss ich unterbinden. Keine negativen Gedanken mehr. Ich bin doch nicht Depressiv und will nicht depressiv werden.

Von diesem Moment an dachte ich mir das ich solche Gefühle abschalten muss. Bloß nichts mehr negatives an sich heran lassen. Sich nicht mehr aus der Bahn bringen lassen. Gleichgültig zu allem werden. Ich wurde Apathisch.

Mit dieser Entscheidung wurde jedoch alles nur noch schlimmer.

Das Gefühlsleben ist wie das Yin & Yang. Schöne Gefühle kann es nur geben, wenn man auch die für sich negativ assoziierten Gefühle zulässt. Man kann sich nicht entscheiden nur die negativen Gefühle auszublenden. Entweder bekommt man das ganze Programm, oder gar nichts. Ich entschied mich, für letzteres.

Selbstständigkeit

An dieser Stelle mache ich einen Sprung vorwärts, bis zum Jahre 2014 (da war ich dann 31 Jahre alt) als ich meine Selbstständigkeit als Indie-Game-Developer begonnen hatte. Natürlich war ich zu diesem Zeitpunkt immer noch krank, nicht nur das, ich dachte immer noch das ich Gesund wäre.

Rückblickend kann ich das gar nicht mehr begreifen. Über die Jahre hinweg hat sich meine Situation nur noch verschlimmert. Ich habe mich über die Jahre hinweg immer mehr Isoliert. Meine Isolation ging soweit das ich regelrecht Angst hatte draußen gesehen zu werden, und mit irgendeinen Menschen zu sprechen.

Meine Sucht die mich am Leben gelassen hat, war wohl die Sucht immer besser zu werden. Und das im Bezug auf meinem Job gesehen. Ich habe immer mehr Bücher gelesen über Programmierung und die verschiedensten Themen dazu. Ich habe 6 Programmiersprachen gelernt, habe unzählige Bücher über die diversen Themen gelesen. Mein Ziel war es auf diesem Feld so gut und erfolgreich zu werden wie es nur geht. Und wenn ich dann irgendwann mal den Erfolg hätte den ich mir gewünscht habe, dann würde ich irgendwann Glücklich sein.

Wie naiv von mir. Heute begreife ich das man zuerst einmal Glücklich sein muss, nur aus dieser Kraft heraus kann man irgendetwas im Leben erreichen ohne sich dabei selbst zu zerstören. Ebenfalls habe ich mittlerweile Begriffen das Glücklich sein kein Zustand ist den man erreicht, sondern man entscheidet sich einfach dafür.

Aber wie sah eigentlich mein Alltag mittlerweile aus?

Durch eine Förderung und durch Selbst Erspartes Geld, konnte ich mich ungefähr 1,5 Jahre selbst finanzieren. Jedoch ist es nicht so gewesen das ich Gesund war. Meine Situation hatte sich so verschlimmert, dass ich im Grunde gar nicht mehr Arbeitsfähig war. Nicht nur war ich nicht Arbeitsfähig, ich habe im Grunde meinen ganzen Alltag nicht mehr auf die Reihe bekommen.

Selbst unheimlich wichtige Sachen wie die Zahlung meiner Krankenkasse habe ich nicht mehr geregelt bekommen. Was dann auch irgendwann dazu führte das mein Konto gepfändet wurde. Dies führte dazu das ich meine Miete nicht mehr bezahlen konnte. Mir der Strom abgestellt wurde, und ich später irgendwann mit einer Zwangsräumung aus meiner Wohnung geflogen bin. Aber eins nach dem anderen.

Da ich nur noch Angst hatte Menschen zu begegnen, war es mir selbst unheimlich schwierig dinge zu erledigen, wie den Müll heraus zu bringen. Das Ergebnis war: Stapelnde Müllsäcke in der Küche, und irgendwann dann auch Maden die durch die Wohnung krochen.

Wann immer dies passierte räumte und säuberte ich danach alles. Dies kostete mich jedoch unheimlich viel Kraft. Nicht nur kraft, ich ekelte mich vor mir selber. Habe ich daraus aber gelernt? Nein, immer und immer wieder wiederholte sich dieser Prozess. Und jedes mal wenn wieder die Maden da waren, erzählte ich mir was für ein Versager, Nichtsnutz und wie widerwärtig ich war. Ich hatte nur noch Selbsthass für mich.

Ich verstand auch nicht mehr warum ich so handelte. Nicht falsch verstehen, zu keinem Zeitpunkt dachte ich das sowas normal war. Ganz im Gegenteil, ich Wuste wie abartig ich war, genau deswegen konnte ich mich nur noch selber Hassen das ich so Grundelementare dinge wie den Müll heraus bringen nicht mehr hinbekomme.

Als mir mein Geld dank Kontopfändung ausging musste ich natürlich noch etwas Essen, so fing ich an Dinge zu verkaufen. Hauptsächlich Spiele-Konsolen und Videospiele. Da ich nicht Wuste wie lange ich mit dem Geld auskomme, musste ich schauen das Geld so effizient wie möglich auszugeben.

Ich machte auch immer wieder Pausen und fing an mehre Wochen gar nichts zu essen. Die längste Zeit die ich mal gar nichts gegessen hatte umfasste ca. 1 Monat. Manchmal aß ich einen Tag, und machte dann wieder mehrere Tage Pause.

Als mir der Strom abgeschaltet wurde, naja spätestens da hätte ich eigentlich reagieren müssen. Okay, ich hätte schon viel früher reagieren müssen, aber die Krankheit ließ mich nicht. Aber spätestens als der Strom weg war, und ich ja ein Indie-Game-Developer war, der am Computer Video-Spiele programmieren wollte. Spätestens da hätte ich doch eigentlich reagieren sollen!? Aber ich tat es nicht!

Stattdessen saß ich 3 Monate ohne Strom in meiner Wohnung und lies mir Bücher über Computer Algorithmen durch. Mein Gedanke war: Hauptsache ich lenke mich irgendwie ab, bitte nicht mit meinen Problemen beschäftigen. Wenn ich das tue, dann drehe ich noch durch.

Ich hätte schon sehr viel früher meine Selbstständigkeit aufgeben sollen und dann zum Jobcenter gehen sollen. Jedoch konnte ich es nicht ertragen schon wieder ein Versager zu sein, der es nicht schafft seinen größten Traum zu verwirklichen. Also tat ich gar nichts. Und machte damit alles nur noch schlimmer.

Irgendwann war natürlich alles verkauft, was ich noch irgendwie zu Geld machen konnte, und erst als gar kein Ausweg mehr da war und ich gar kein Geld mehr hatte, erst dann gab ich meinen Traum auf, und ging zum Jobcenter.

Als ich dann das erste mal zum Jobcenter ging, und dort meine Geschichte erzählte sagte mir jeder das er diese Geschichte gar nicht glauben könne. Man erzählte mir das dies eine Depression sein könnte. Was war meine Antwort darauf?

Waaaas? Ich bin doch nicht Depressiv!

Da ich dies jedoch von mehreren Seiten hörte, fing ich das erste mal an mich über diese Krankheit zu informieren. Und tatsächlich, ich fand mich in allen Beschreibungen wieder. Dies hob aber nicht unbedingt meine Stimmung, sondern verschlechterte Sie nur noch.

Letztendlich lief es nur auf eine Sache hinaus. Ich schaffte es auch nicht die unterlagen die vom Jobcenter benötigt wurden auszufüllen. Ich verlor auch diese Grundlage wieder, und der Termin zur Zwangsräumung rückte immer Näher. Ein Termin den ich erfolgreich schaffte aus dem Weg zu gehen, und mich nicht einmal dazu bewegte nach einer neuen Unterbleibe zu suchen.

Einen Tag vor meiner Zwangsräumung schaffte ich es dann irgendwie um Hilfe zu bitten. Natürlich war niemand mehr da der etwas von mir hören wollte. Mein engster Freund erzählte mir das die Freundschaft erkaltet war, meine Mutter erzählte mir das ich verschwinden soll, und was ich ihr den für schreckliche Dinge antue.

Zum ersten mal in meinen Leben dachte ich nicht mehr darüber nach OB ich mir das Leben sollte. Ich dachte darüber nach WIE ich es mir nehme.

Meine Wahl fiel darauf einfach so viele Schlaftabletten zu schlucken wie es nur ging. Das Problem: Ich hatte keine, und auch kein Geld welche zu kaufen. Zum Glück, sonst würde ich diesen Text hier nicht schreiben.

Mich selber verletzen, Pulsadern aufschneiden? Davor hatte ich zum Glück zu viel Angst. Erschießen wäre aber okay gewesen, aber wie an eine Waffe kommen, ohne Geld?

Der Aufschwang

Zum Glück wurde ich aber nicht obdachlos. Mit sehr viel Glück fand ich noch einen Platz in einem Männerheim das mich aufnahm. Ich musste zwar so gut wie alle meine Habseligkeiten zurück lassen, aber zumindest hatte ich einen Platz zum Schlafen und ein Dach über den Kopf.

Beim Aufnahmegespräch war es das erste mal das ich offener über meine Geschichte erzählte. Ich brach dabei in Tränen aus und realisierte das ich alleine gar nicht mehr Überlebensfähig war. Zum ersten mal realisierte ich wirklich wie schlecht es mir ging, weil ich meine negativen Gefühle zu ließ. Dies brachte mir jedoch im nachhinein eher Kraft meine Probleme anzugehen, und nicht mehr vor Ihnen weg zu rennen.

Ich meldete mich bei einer Tagesklinik und machte eine drei Monatige Therapie durch. Mir wurde Setralin (ein Antidepressiva) verschrieben, das auch ziemlich rasch eine Besserung zeigte. Ich lernte neue Menschen kennen und neue Freunde.

Dieses kurze hoch war aber nicht von Dauer. Irgendwann ließ auch die Wirkung von Setralin nach, ich konnte nicht mehr schlafen, war erschöpft, und hatte keinerlei Antrieb mehr. Mein Arzt änderte nichts an der Medikamentation, und ich brach dann irgendwann die Behandlung vollständig ab. Dies führte zu einer Woche Bett mit Schüttelfrost und Fieber und schlief dabei ca. 20 Stunden am Tag.

Nach dieser Woche Entzug, ging es mir jedoch genauso gut/schlecht wie mit Setralin. Mein Arzt verschrieb mir daraufhin noch andere Antidepressiva. Hauptsächlich quälten mich Schlafprobleme. Sprich mir fiel es sehr schwer einzuschlafen, und wenn ich dann mal schlief, dann wie ein Toter, und das sehr lange. Doch vollkommen egal welches Medikament ich ausprobierte, geholfen hat letztendlich keins.

Da ich bis zu diesem Zeitpunkt neue Menschen kennen gelernt hatte, darunter auch einige Cannabis Nutzer, kam mir irgendwann der Gedanke es einfach mit Cannabis auszuprobieren. Ich wusste zuvor schon das es auch bei Schlafproblemen helfen kann, oder das es Ansätze gibt es könnte bei Depressionen helfen.

Ich bin an Cannabis heran gegangen das es mir helfen wird. Angst vor negativen Auswirkungen hatte ich keine. Und ich denke das ist schonmal der erste wichtige Schritt den man als Cannabis Nutzer haben sollte. Psychedelische Drogen wie Cannabis (LSD, Psilocybin) wirken nämlich anders wie z.B. Alkohol, Nikotin, Kokain, Ecstasy etc. Cannabis macht nicht einfach nur glücklich, ganz im Gegenteil, es verstärkt einfach alles. Man nimmt Gefühle stärker war, Emotionen sind verstärkt, man nimmt Musik intensiver war, man hat einen besseren Geruchs & Geschmackssinn.

Ein Cannabis-Rausch entfaltet sich ganz nachdem welche Erwartungen man hat, welche Gedanken man hat, und wie die aktuelle Gefühlslage ist. Aus diesem Grund empfehlen etliche Menschen kein Cannabis bei Depressionen zu nehmen.

Warum habe ich es trotzdem getan? Warum hatte ich keine Angst?

Wenn man so wie ich schon als kleines Kind ständig über den Tod am grübeln ist. Und eine so lange Geschichte von Lebensmüden Gedanken hat, dann …

A) Ist man ohnehin irgendwann abgestumpft, und wenig Sachen können einen Schockieren.
B) Wäre es mir auch egal wenn ich gestorben wäre. (Was bei Cannabis ohnehin nicht passiert, es hätte aber meine Suizid Gedanken verstärken können, und das war mir egal)

Der Umgang mit Cannabis

An dieser Stelle wollte ich übrigens meinen Cannabis Konsum beschreiben, und welche Resultate dieser hatte. Als ich beim Meditieren unter Cannabis über das Thema nachdachte lernte ich wie komplex dieses Thema ist.

Das worüber ich also zuerst schreiben muss ist eher, wie nutze ich Cannabis, wie wirkt es, wie schaut die Häufigkeit aus, Und wie geht man damit sinnvoll um? Tatsächlich ist jede Frage für sich schon ein eigener Artikel wert. Jedoch kann ich all das nicht hier unterbringen. Daher versuche ich das wichtigste im groben schnellverlauf zu beschreiben. Ausführlichere Artikel zu den einzelnen Themen schreibe ich später.

Zuerst halte ich es für wichtig auf den Drogenmischkonsum mit Tabak einzugehen. Nikotin und THC haben eine gegenseitige Wechselwirkung. Nikotin schwächt die Wirkung des Cannabis, und Cannabis stärkt die Wirkung des Nikotin. Wer beides mischt erlebt eigentlich eher eine sehr starke Nikotin Wirkung, den sogenannten Nikotin-Flash. Da ich keinerlei Tabak rauche, und auch nicht vor habe Nikotin abhängig zu werden, rauche ich nicht mit Tabak. Die Tatsache das ich mich jedes mal übergeben muss wenn ich mit Tabak rauche, hat natürlich auch einen Grund daran.

Entweder rauche ich Cannabis pur, oder aber in Kombination mit Damiana (bekommt man im Reformhaus).

Damiana & Cannabis hat eine eigene Wechselwirkung. Tatsächlich verstärken sich beide Pflanzen gegenseitig. Damiana verstärkt hierbei vor allem die psychedelische Wirkung des Cannabis stark. Genau die ist es aber auch, nach der ich Suche!

Ich schrieb das ich über das Thema Meditativ nachdenke. Und denke das ist jetzt der richtige Moment dies zu erläutern. Die Meisten Menschen verstehen darunter das man für sich selber ist, seine Gedanken los lässt, und einfach nur da ist. In Gewisser weiße tue ich das auch. Ich komme zur Ruhe, ich entspanne, jedoch ist das Ziel nicht seine Gedanken zu unterbinden, sondern sie Schweifen zu lassen. Man fällt in einem Modus der Konzentration und des Nachdenkens. Man macht es sich automatisch bequem, schließt oftmals die Augen, und ist in einem Modus einen Film vor sich zu sehen.

Es geht auch nicht darum seine Gedanken zu unterbinden, sondern seinen Gefühlen und Gedanken freien lauf zu lassen. Durch die Entspannung kommt man in einem Modus wodurch man sich selber gut analysieren kann. Gleichzeitig ist man jedoch hoch-emotional. Tatsächlich würde ich diesen Bewusstseinszustand als ein Wach-Traum beschreiben. Man ist wach, kann logisch und analytisch denken. Und gleichzeitig ist man in einem Zustand wo man Traumartig Bilder vor sich sieht, und Erlebnisse erleben kann, die sich unheimlich real anfühlen.

Mit unheimlich real meine ich nicht das man Halluzinationen hat, oder reale Bilder vor sich sieht. Hiermit meine ich vor allem die emotionale Ebene. Ich kann dir Dinge erzählen die ich im Rausch durchlebt habe. Du wirst diese Dinge vielleicht Logisch nachvollziehen können, aber nie wirklich emotional nachvollziehen können. Stelle es dir wie ein Bungee Jump vor. Du kannst dir noch so viele Videos dazu anschauen, und noch so viele Erzählungen dazu durchlesen. Verstehen wirst du es erst, wenn du es selber durchlebst.

Mit diesem Verständnis werde ich dir nun von meinen ersten Horror-Trip erzählen. Ich werde nicht jeden Gedanken und jede Erkenntnis erzählen die ich aus den verschiedenen Themen gewonnen habe. Ich beschreibe den Ablauf jedoch grob, damit du siehst was ich mit Gedanken schweifen meine.

Der Horror-Trip

Ich weiß gar nicht mehr wie ich auf das Thema gekommen bin. Vielleicht war es ein Thema das Unterbewusst in mir schlummerte. Vielleicht schaute ich gerade ein Film oder ich habe etwas gelesen, ich weiß es nicht mehr. Jedoch beginnen so die meisten Trips. Ich schaue einen Film, beschäftige mich mit einem Thema, oder sage mir vorher schon bewusst das ich über bestimmte Themen Nachdenken möchte, meistens klappt das.

Jedoch erzwinge ich nichts, eher im Gegenteil, ich lasse alles auf mich zukommen. Mir kommt es manchmal vor das ich das Tor zum Unterbewusstsein damit geöffnet habe. All das was ich über Jahre gelernt habe in mich zu verschließen kommt nun hoch. Da man hoch-emotional ist, ist so etwas jedoch nicht automatisch schön. Beim Erleben meiner Trips mache ich Notizen, entweder am PC, Smartphone oder in einen Buch, je nachdem was zur Verfügung steht, und worauf ich gerade Lust habe.

Ich fing an über Religion nachzudenken. Tatsächlich formte ich aus, das Glauben, Religion und Institutionen wie die Kirche für mich drei unterschiedliche Dinge sind. Ich persönlich lernte dabei auch, dass ich nur den Glauben als etwas positives ansehen kann. Doch wofür stellt man sich eigentlich die Frage nach dem Glauben?

Ging es um den Tod, und was danach kommt? Aus meiner Sicht gibt es auf diese Frage keine Antwort. Weshalb ich auch Agnostiker bin. Wenn es eine Antwort auf diese Frage geben sollte, dann werden wir diese Antwort erst im Augenblicke unseres Todes Erfahren. Agnostiker zu sein heißt jedoch nicht das man alles andere ablehnt. Viel mehr heißt es für mich das ich jede Theorie hinterfrage, mir Vorstelle sie würde stimmen, und daraus Schlüsse ziehe was sein könnte.

Ich saß bequem auf den Stuhl, und hatte meine Augen zu, und war sehr vertieft in den Gedanken über den Tod. Ich stellte mir vor das ich bereits Tod sein würde und in einem Sarg liegen würde, ich würde mich wahrnehmen, und mein Bewusstsein wäre noch vollständig da. Daher, ich könnte noch Denken und Fühlen. Jedoch ist mein Körper tot, und ich könnte Ihn nicht mehr Bewegen.

An der Stelle möchte ich Erwähnen das wenn man an einem Gott (oder mehrere) glaubt, und glaubt der Mensch hat eine Seele und lebt nach dem Tod weiter. Die Idee bei vollem Bewusstsein im Sarg zu liegen durchaus real sein kann! Nur ein Atheist der nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt und das als Absolut sieht, sollte nicht in der Lage sein so etwas nachvollziehen zu können. Als Agnostiker kann ich mich übrigens in beide Situationen hinein versetzen!

Ich lag also im Sarg, konnte mich nicht mehr bewegen, und war nun Tod. Langsam merkte ich das mir unbequem wurde. Meine Atmung wurde schneller, ich fing an Angst zu spüren. Mein Magen zog sich zusammen, und alle Muskeln in meinen Körper fingen an sich zu verkrampfen.

Dann dachte ich darüber nach was als nächstes passieren würde. Die Bakterien auf und in meinen Körper würden anfangen mich zu essen. Meine Organe würden sich zersetzen und ich fing an all dieses Entsetzen zu spüren. Ich sah auf meinen Körper Millionen von Bakterien die nun anfangen würden mich zu fressen.

Alle Insekten in der Erde wo ich vergraben war, würden wahrnehmen das etwas essbares in der Nähe ist. Käfer, Würmer und Maden würden sich auf den Weg zu mir machen. Zum ersten mal Begriff ich was eine Fressorgie ist. Sie findet immer statt, wann immer ein Mensch stirbt.

Die Gefühle in mir wurden dabei so stark das ich mich kaum mehr halten konnte. Eigentlich hätte ich die ganze Zeit schreien können, jedoch war ich dabei so verkrampft das ich dies nicht konnte. Ein so großes Gefühl von Angst und Ekel habe ich mein ganzes Leben noch nie gespürt.

An diesem Punkt wurde mir das aber zu viel und ich fing an mich wieder zu normalisieren. Zwar brauch ich dafür ein paar Minuten, jedoch kann ich mich ziemlich gut kontrollieren, wenn ich es möchte. Den genau das habe ich während meiner Depression gelernt! Das was ich vorher nicht konnte, war das Gegenteil, meine Gefühle freien lauf zu lassen.

Mein Trip ging an der Stelle noch viel weiter. Jedoch nicht im negativen Sinne. Das erste mal in meine Leben war ich dankbar das Ich Lebe. Ich wurde danach von unheimlich positive Gedanken und Glücksgefühle überströmt. Ich fing an mir alles aufzuschreiben und seit dem mein Leben umzugestalten.

Die allererste Umgestaltung war das ich mich endgültig dazu entschied mich Vegan zu ernähren. Denn der Spaß am Fressen anderer Lebewesen ist mir seit diesem Erlebnis doch etwas unangenehm geworden.

Cannabis & Depressionen

Mittlerweile sehe ich mich von meiner Depression als geheilt an. Dieser Horror-Trip hat mir wahrhaftig die Augen geöffnet. Seit diesem Erlebnis scheint es mir das meine Apathie vollkommen weg gesprengt wurde. Mir kommt es vor das Mauern die mich vorher hinderten zu fühlen weg sind und ich diese Gefühle akzeptieren kann.

Stattdessen höre ich viel mehr auf meine Gefühle. Analysiere diese, und Frage mich was mein Körper mir sagen möchte, und ob das Gefühl das ich nun Erlebe gerechtfertigt ist, oder es ein schlecht antrainiertes Gefühl ist dass ich überdenken muss.

Wichtig ist jedoch zu verstehen das der Rausch Zustand das ist, was dazu führt das ich mein Leben, meine Gefühle, meine Gedanken und meine Zukunft neu überdenke. Es ist nicht die Substanz selber die irgendwelche Symptome bekämpft wie es Antidepressiva tun.

Daher muss ich auch nicht ständig Cannabis konsumieren. Ich konsumiere auch zum Genuss, aber mittlerweile bin ich eher so etwas was man als Wochenende-Konsument bezeichnet. Müsste ich Cannabis in irgendeiner Form täglich zu mir führen, würde ich mich auch nicht als geheilt ansehen.

Natürlich heißt das nicht das all meine Lebensprobleme die durch meine Depression entstanden sind auf einmal gelöst sind. Jedoch habe ich nun endlich die nötige Kraft gefunden, diese Probleme anzugehen, und daran zu Arbeiten.

Warum ich das hier Schreibe?

Ich schreibe das ganze weil ich näher bringen möchte wie ein Depressiver denkt. Jedoch gilt das was ich geschrieben habe nicht für alle Depressive. Nicht jeder denkt so wie ich. Jede Depression ist individuell.

Übrigens ist meine ganze Geschichte über meine Gefühle und meine Lebensgeschichte ein Produkt dessen, weil ich im Cannabis-Rausch meine Vergangenheit durcherlebt habe und mich so selber Analysiert habe. Sonst hätte ich diesen ganzen Artikel wohl nicht schreiben können.

Weiterhin will ich das Stigma über Cannabis brechen. Und natürlich bin ich für eine Legalisierung von Cannabis (tatsächlich sogar ALLER Drogen).

Manche mögen sich Fragen wie ich so offen meine Lebensgeschichte Erzählen kann. Die Antwort dazu einfach. Ich habe vorher nicht gelebt. Ich war Depressiv und krank. Mein eigentliches Leben hat erst jetzt begonnen. Für mich beginnt nun ein neuer Abschnitt in meinen Leben, und ich werfe all den Ballast den ich durchlebt habe einfach über Bord.

Fazit

Cannabis hat mir gezeigt das wenn ich Glück & Liebe spüren möchte, ich alle Emotionen zulassen muss, auch die "schlechten". Abschotten nur von den negativen Gefühlen, ist nicht möglich. Entweder durchlebt man all seine Gefühle, oder gar keine.

Und so richtig, gibt es eigentlich gar keine negativen Gefühle. In Zukunft werde ich weitere Geschichten, Ideen, Denkanstöße und vieles andere publizieren.

Wenn Ihr Fragen oder Kritik habt, so ist diese gerne Gesehen.

Danke, das du bis hier gelesen hast.